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Umzug ohne Ärger - Mit dem Girokonto zur neuen Bank 
Von Berti Kolbow, dpa

Mainz/Berlin (dpa/tmn) - Ein Wechsel ihrer wichtigsten Bankverbindung ist vielen Kunden zu mühsam. Sie glauben, am Ende kommen bei einem Umzug des Girokontos nur Scherereien heraus. Denn zum Beispiel müssen Daueraufträge für Miete, Wasser und Strom gekündigt und neu eingerichtet werden. Groß ist die Angst vor fehlerhaften Buchungen, vor Mühen und Kosten. Viele Banken locken mittlerweile zwar mit Wechseldiensten. Wer auf Nummer sicher gehen will, plant den Umzug aber am besten immer noch selbst und sorgt persönlich für die Umstellung aller Zahlungsverbindungen.

«Viele Kunden hierzulande sind ihrer Bank übermäßig treu, weil ihnen der Wechsel zu aufwendig erscheint», sagt Josephine Holzhäuser, Referentin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz. Dabei gibt es keine formalen Hürden: «Ein Girokonto ist durch den Kunden jederzeit kündbar.» Die Vertragsauflösung muss schriftlich erfolgen. Gebühren oder Fristen dürfen bei der Löschung eines Kontos nicht erhoben werden. Und auf Wunsch erledigt die Auflösung auch die künftige Bank.

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Foto: Jens Schierenbeck
Mit einem «Wechselservice» versuchen heute zahlreiche Banken, den Kunden einen Umzug zu ihnen schmackhaft zu machen. Der Umfang der Hilfsbereitschaft fällt aber unterschiedlich aus. In den Service- Rubriken auf der Homepage von Internetbanken zum Beispiel finden sich häufig Checklisten - also Erinnerungsstützen - für den Bankwechsel: Welche Zahlungsempfänger müssen informiert werden, welche Daueraufträge werden häufig vergessen? All das ist dort ein Thema. Hilfreich ist es auch, wenn Musterschreiben zur Verfügung stehen. Sie muss der Kunde nur noch ergänzen, ausdrucken und abschicken.


Tippaufwand spart bei manchem Anbieter auch der Zugriff auf eine Datenbank mit den Anschriften verbreiteter Versorger, Versicherungsunternehmen und Telekommunikationsanbieter. Sie lassen sich per Mausklick in das Formular einfügen. Da viele Strom-, Telefon- oder Versicherungsanbieter die Änderung von Bankverbindungen direkt per Eingabemaske auf ihrer Internetpräsenz ermöglichen, wird Papier heute aber ohnehin zunehmend überflüssig.

Mehr Service dürfen Neukunden von Filialbanken erwarten. Bei ihnen wird mitunter angeboten, dass der Berater die Kundenunterlagen durchforstet, die notwendigen Schreiben aufsetzt, sie verschickt und auch noch die Portokosten übernimmt. Selbst dann klappt ein Wechsel aber nicht immer reibungslos: «Es kommt vor, dass dem Kündigungswunsch nur verzögert nachgekommen wird oder er ganz untergeht», sagt Katrin Upmeier, Leiterin der Kundenbeschwerdestelle beim Bundesverband deutscher Banken in Berlin. In solchen Fällen können Kunden sich kostenlos an den Schlichter des zuständigen Bankenverbands wenden. Die Stelle bittet dann die Bank um eine Stellungnahme.

«Liegt der Fehler bei der bisherigen Bank, löst sich der Fall meist schon zu diesem Zeitpunkt - denn die alte Bank entschuldigt sich dann beim Kunden und erstattet angefallene Kosten», sagt Upmeier. Darunter fallen eventuell entstandene Gebühren für fehlerhafte Buchungen oder verloren gegangene Guthabenzinsen. Ein paar Tage Bearbeitungszeit sollte den Instituten aber eingeräumt werden. «Gerade wenn zusätzlich zum Girokonto beispielsweise ein Depot übertragen werden muss, kann es etwas länger dauern.»

Ein Übergang sollte aber erst recht kein Problem sein, wenn Kunden langfristig planen und das bisherige Girokonto parallel zum neu eröffneten noch eine Weile weiter laufen lassen - bis zu drei Monate sind sinnvoll, rät Josephine Holzhäuser. «Dann ist man auf der sicheren Seite.» Zudem sollte in diesem Zeitraum ein wenig Guthaben auf dem Konto verbleiben. So werden Buchungen ins Leere, die happige Kosten verursachen können, vermieden.

Die Übertragung der regelmäßigen Buchungen ist der aufwendigste Teil des Bank-Umzuges. Denn neben der Übernahme von Daueraufträgen müssen Einzugsbevollmächtigte und Geldgeber informiert werden. Dazu ist die Durchsicht der bisherigen Kontoauszüge notwendig: «Am besten die der vergangenen zwölf Monate, damit auch jährliche Abbuchungen erfasst werden», rät Heike Nicodemus von der Stiftung Warentest in Berlin. Das ist viel Arbeit.

Ist der Unterschied zu einem günstigeren Institut gering und der Kunde insgesamt zufrieden, sollte daher besser über eine Gebührensenkung verhandelt werden. «Manchmal reicht es schon, die eigene Kündigungsbereitschaft zu signalisieren, um bessere Konditionen zu erhalten», rät Nicodemus. Denn auch ein Tarifwechsel kann Vorteile bringen - und dann ist die neue Bank vielleicht die alte.

INFO-KASTEN: Hauptgrund für den Wechsel: Weniger Gebühren

Mit dem Girokonto zu einer anderen Bank umzuziehen, bietet sich vor allem bei hohen Gebühren an. Denn ein anderes Institut verlangt möglicherweise weniger. In ihrem jüngsten Girokonten-Vergleich fand die Stiftung Warentest in Berlin heraus, dass ein Wechsel mehr als 200 Euro Kontoführungsgebühren pro Jahr sparen kann.

«Wer mehr als 40 Euro im Jahr für ein Onlinekonto und mehr als 80 Euro für ein Filialkonto bezahlt, kommt woanders günstiger weg», sagt die Finanzexpertin der Organisation, Heike Nicodemus. Allerdings sollten Wechselwillige prüfen, ob sich der Kontoumzug rechnet und keinen Haken hat. Denn so manches Gratis-Girokonto setzt einen gewissen Mindesteingang, die Kontoführung per Computer oder die Bindung an Kapitalanlagen voraus.

INFO-KASTEN: Die Kundenbeschwerdestellen der großen Bankenverbände

Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, Postfach 309263, 10760 Berlin (Internet: www.bvr.de);

Bundesverband deutscher Banken, Postfach 040307, 10062 Berlin (Internet: www.bankenombudsmann.de);

Beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband, Charlottenstraße 47, 10117 Berlin (Internet: www.dsgv.de) können Kunden die Adresse ihrer zuständigen regionalen Beschwerdestelle erfragen.

 

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