Garten und Umwelt

Neue Narzissen im Frühjahr, Rosenpflege im Sommer, Kübelpflanzen richtig überwintern lassen - der Themendienst begleitet Gartenbesitzer durch das ganze Jahr. Jeweils donnerstags stellen die Autoren in einem längeren Bericht heimische oder exotische Gewächse vor und geben praktische Tipps für die Arbeit im Grünen. Zusätzlich gibt es in der Rubrik «Welt des Gartens» in kompakter Form Pflanz- und Pflegetipps. Die Rubrik «Zeit für...» erinnert an die Saisonstarts für Garten- und Topfblumen und stellt dabei auch neue Sorten der jeweiligen Pflanzen vor. Hinzu kommen aktuelle Meldungen.

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Lebende Kunstwerke: Zimmer-Bonsais brauchen Licht 
Von Eva Neumann, dpa

Kassel (dpa/tmn) - Eine solide Fan-Gemeinde haben Bonsais schon lange: Die kunstvolle Gestaltung von Miniaturbäumen nach japanischem und chinesischem Vorbild ist für Hobbygärtner eine Herausforderung. Jedes Gehölz kann dabei zum einzigartigen Experiment werden. Mit der Begeisterung für fernöstliche Lebenskultur haben die grünen Kunstwerke mittlerweile auch in mancher Luxuswohnung Einzug gehalten.

Prinzipiell kann jedes Gehölz, das mindestens eine gewisse Zeit des Jahres im Haus verbringen kann, als Zimmer-Bonsai gestaltet werden. Allerdings sollten die Blätter nicht zu groß sein. «Gut geeignet sind beispielsweise alle Ficus-Arten, der Fukien-Tee und die Myrte», zählt Wolfgang Kawollek auf. Aber auch die Chinesische Ulme, der Chinesische Liguster oder der Zickzackstrauch machen sich laut dem Technischen Leiter der Botanische Lehr- und Versuchsanlagen der Universität Kassel gut als Zimmer-Bonsais.

Dem Anfänger empfiehlt Kawollek eine Feigenart. Feigen sind pflegeleicht, lassen sich einfach beschneiden und treiben gut wieder aus. Auf der Beliebtheitsskala der Zimmer-Bonsai-Fans stehen sie allerdings nicht ganz oben. «Das liegt vielleicht auch daran, dass jeder den Ficus kennt. Er hat nicht den Reiz des Ungewöhnlichen und Exotischen», erklärt Peter Czapka, Gärtnermeister und Inhaber des Bonsai-Centrums München.

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Foto: Jens Schierenbeck
Der Grundstein zu einer Zimmer-Bonsai- Sammlung ist in der Regel eine Pflanze, die bereits vorgestaltet ist. Damit kann sich der Besitzer zunächst auf die richtige Pflege konzentrieren. Genau wie Outdoor- Bonsais gibt es auch Zimmer-Bonsais in allen möglichen Schnittformen. «Am begehrtesten sind s-förmig geschwungene Stammformen mit regelmäßigen seitlichen Verzweigungen», sagt Czapka.

Wörtlich übersetzt bedeutet Bonsai «Baum in Schale». Entsprechend wichtig ist das Pflanzgefäß. In Wohnräumen kommen vor allem lasierte Schalen zum Einsatz. Pflanze und Gefäß können sowohl zusammen als auch einzeln gekauft werden. «Für die Pflanze ist es besser, wenn sie bereits in einer Schale vorkultiviert ist und damit Umtopfen vermieden wird», rät der Gärtnermeister. Schließlich ist schon der Standortwechsel beim Kauf für das Gewächs eine enorme Belastung.

Der richtige Standort in der Wohnung ist die Voraussetzung dafür, dass der Zimmer-Bonsai alt wird - und vielleicht sogar seinen Besitzer überlebt. Immerhin können die lebenden Kunstwerke bei idealen Lebensbedingungen weit mehr als 100 Jahre alt werden. «Ideal ist ein heller Platz ohne pralle Mittagssonne», erklärt Werner Busch, Bonsai-Lehrer und -Züchter aus Düsseldorf. «Kommt die Pflanze nicht direkt ans Fenster, ist die Beleuchtung durch Pflanzenlampen ein guter Kompromiss.»

Ob am Fenster, auf einem Sideboard oder auch einem speziellen Bonsai-Tischchen mitten im Raum - die gestalteten Pflanzen kommen nur dann richtig gut zur Geltung, wenn sie Platz haben und nichts das Auge ablenkt. «Neben einen Zimmer-Bonsai passen keine herkömmlichen Zimmerpflanzen. Dafür können mehrere Bonsais sehr interessant kombiniert werden», so Busch.

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Foto: Ahmad Yusni
In vielen Wohnräumen ist die Luftfeuchtigkeit nicht hoch genug für die Mitbewohner aus den Tropen. Hier kann ein kleiner Trick helfen: «Platzieren  Sie die Bonsai-Schale auf einem wasserdichten Tablett, das mit feinem Kies oder Blähton gefüllt ist», rät Kawollek. Dann kann das Gießwasser über den Rand fließen, verdunsten und so direkt bei der Pflanze die  Luftfeuchtigkeit erhöhen.

Die wichtigste Pflegemaßnahme ist das Gießen. Als Faustregel gilt: Sobald die Erdoberfläche trocken ist, braucht die Pflanze neues Wasser. Angesichts des meist sehr kleinen Substratvolumens kann das durchaus täglich erforderlich sein. Ansonsten ist die Pflege nicht besonders anspruchsvoll. «Von ausgefallenen Maßnahmen wie Wurzelschnitt sollte man zumindest am Anfang tunlichst die Finger lassen», warnt Czapka.

Allerdings will die vorgestaltete Form des Gehölzes erhalten und herausgearbeitet werden. «Durch gezieltes Nachschneiden wird beispielsweise die Verzweigung verbessert. So reift die Pflanze. Das braucht allerdings viel Zeit und Geduld», sagt Bonsai-Lehrer Busch. Die Technik des Schneidens muss erlernt werden. Eine gute Grundlage bilden Kurse in Bonsai-Baumschulen, bei Bonsai-Clubs, aber auch an Volkshochschulen. Fachbücher mit Detailskizzen sind anschließend die beste Gedächtnisstütze.

Wer auf diese Weise mit einer vorgestalteten Pflanze erste Bonsai-Erfahrungen gesammelt hat, kann sich in einem zweiten Schritt an eine Jungpflanze oder gar an einen selbst gezogenen Steckling wagen und diesen von klein auf selbst formen.

(Internet: www.bonsai-club-deutschland.de, www.bonsai-aktuell.de)

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