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Wellness
mit
dem Wischlappen: Entspannter putzen
Von Sandra Cantzler, dpa
Hamburg (dpa/tmn) - Notwendiges Übel, lästige Pflicht
oder auch
einfach nur Stress: Zum Thema Putzen fällt den meisten
Menschen nicht wirklich etwas Positives ein. Und kaum jemand
würde auf die Idee kommen, Schrubber und Lappen mit dem
Wellness-Gedanken in Verbindung zu bringen. Doch es geht auch anders,
behaupten Experten. Es komme nur auf die richtige Einstellung an. Dann
lasse sich Putzen sogar als sinnliches Erlebnis gestalten.
«Im Kopf fängt es an: Beugt man sich widerstrebend
dem
Unausweichlichen oder freut man sich darauf, aus eigener Kraft mit
allen Sinnen Räume zu pflegen, Oberflächen sanft zu
berühren und sie von Schmutz zu befreien?», sagt
Katharina Zaugg. Die Schweizer Ethnologin und Raumpflege-Expertin putzt
mit Leidenschaft und hat diese zu ihrem Beruf gemacht. Neben einer
Raumpflege-Firma betreibt sie in Basel eine Putzschule, in der sie auch
ihre Mitmenschen für das Feudeln und Staubwischen begeistern
will.
Klappen soll das unter anderem mit Übungen wie dem
«Lappen des
Lächelns». «Beim Lappenauswringen
verkrampft sich vor Anstrengung automatisch der Kiefer»,
beobachtet Zaugg immer wieder. Leider bringe dieser Kraftakt nicht
einmal viel. Die Raumpflegerin aus Berufung zeigt ihren
Schülern deshalb alternative Haltungen.
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| Foto:
IKW/Katharina
Zaugg |
Für das fröhlichere Lappenauswringen stemmt sie
beispielsweise wie ein Sumo-Ringer beide Beine fest in den Boden, macht
den Rücken gerade und beginnt dann zu wringen - mit einem
Lächeln statt eines verkniffenen Ausdrucks im Gesicht.
«Den Flow gibt's auch beim Putzen», sagt Zaugg, die
nach eigenen Angaben beim Staubsaugen gerne jodelt.
Aber auch wer die ganze Angelegenheit rund um Wischeimer und
Staubwedel nüchterner sieht, kann es sich durchaus leichter
machen. Angekämpft werden muss dabei vor allem gegen die
Blockade im Kopf. «Die meisten Leute schätzen den
Zeitbedarf viel zu hoch ein und fangen deshalb erst gar nicht
an», beobachtet Yvonne Willicks, Landesverbandsvorsitzende
des Deutschen Hausfrauenbundes in Hamburg. Dabei sei zum Beispiel ein
Badezimmer schon in 10 bis 15 Minuten saubergemacht.
Die Hauswirtschaftsmeisterin rät, so geplant vorzugehen, wie
nur
möglich. Zunächst sollten Standards festgelegt
werden: Wie sauber möchte ich es bei mir zu Hause haben und
wie viel Zeit muss ich dafür realistisch aufwenden?
«Wichtig ist es, sich immer einer Aufgabe zu widmen und diese
wirklich fertig zu machen.» Wer beim Bodenwischen
zwischendurch mit dem Lampenputzen beginnt, komme nie zum Schluss.
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| Foto:
IKW |
Je nach Typ sollten außerdem positive Anreize geschaffen
werden. «Der eine schaltet sich zum Beispiel Musik zum Putzen
ein, der andere kauft sich schöne Putzutensilien»,
so Willicks. Eine große Rolle spielen auch Düfte.
Katharina Zaugg empfiehlt deshalb einen Schnuppertest schon beim
Einkaufen. Frische Zitrusdüfte
beispielsweise wirkten positiv auf die Stimmung und suggerierten
zusätzlich Sauberkeit.
Nach einer Marktschätzung des Industrieverbands
Körperpflege- und Waschmittel (IKW) in Frankfurt/Main wurden
in Deutschland im vergangenen Jahr 693 Millionen Euro für
Haushaltsreiniger und 131 Millionen für sogenannte
Wohnraumpflegemittel ausgegeben. Etliche Spezialtinkturen - vom
Fettlöser für die Küche bis zum Reiniger
für den Steinboden - verlocken zum Kauf immer neuer Produkte.
Tatsächlich ist meist für jeden Raum eine andere
Kombination an
Mitteln sinnvoll, sagt Zaugg. Dennoch mahnt sie zur
Zurückhaltung: «Lieber nur ein paar wenige
Putzmittel in einen Korb stellen und saubere Schwämme, Lappen
und Bürsten dazu legen». Ansonsten drohe schnell ein
unübersichtliches Chaos mit einer Fülle an halb
geleerten, seit Jahren nicht verwendeten Produkten und verschmutzten
Hilfsmitteln - was die Motivation nicht gerade steigere.
Geht es um die Auswahl von Lappen, Schwämmen oder Eimern, sei
auch der Tastsinn wichtig: «Was gut in der Hand liegt und
sich angenehm anfühlt, wird mit mehr Freude
benutzt». So sollte ein Eimer keine scharfen Kanten haben,
der Besen einen ausreichend langen Stiel und der Schrubber intakte
Borsten.
Zum Glück gebe es mittlerweile eine große Auswahl an
gutem
Handwerkszeug zum Putzen, sagt Yvonne Willicks. Die meisten Leute
scheuten sich jedoch, Geld dafür auszugeben. Doch wer statt
zum billigen Plastikfeudel zu einem ergonomisch geformten Wischer
greift, merke schnell: Putzen kann auch wesentlich
kräfteschonender und flotter gehen.
Wobei auch der modernste Wischer nicht von alleine aktiv wird, wie
Zaugg warnt: «Man sollte nicht einfach etwas kaufen, von dem
man hofft, es putzt für einen.» Und noch eines
müsse sich leider immer vor Augen gehalten werden:
«Mit dem Putzen wird man nie fertig.»
INFO-KASTEN: Professionelle Hilfe bremst Putzstress aus
Trotz aller Motivationshilfen: Manche Menschen können sich nur
sehr schwer zum Putzen überwinden. Wenn das
wöchentliche Feudeln und Staubwischen als große
Belastung empfunden wird, kann Hilfe vom Profi die Lösung
sein. Jemanden für die Raumpflege zu engagieren,
könne viel Stress verhindern - und sei durchaus bezahlbar,
sagt die Hauswirtschaftsmeisterin Yvonne Willicks aus Hamburg. In einer
Familie könne ja auch gemeinsam darüber nachgedacht
werden, ob auf etwas anderes verzichtet werden kann. Und sollen zum
Beispiel nur ein paar Mal im Jahr die Fenster geputzt werden, reiche es
oft schon, ein Sparschwein fürs Kleingeld aufzustellen.
oder Flockprints wie bei T-Shirts», so Jansen.
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