Korrespondentenberichte
Auto/Umwelt/Verbraucher/KORR/
Unerkannte
Stinker - Kaum Abgas-Kontrolle von Dieselautos
Von Felix Rehwald, dpa
Stuttgart/Hannover (dpa/tmn) - Die Einrichtung der Umweltzonen hat
einigen Staub aufgewirbelt. Sie sollten eigentlich die Belastung der
Innenstädte durch gefährliche Partikel verringern.
Deshalb
wurden ältere Dieselfahrzeuge, die besonders viel
Ruß
ausstoßen, aus den Zonen verbannt. Hinein dürfen sie
seitdem
nur noch, wenn sie mit einem Rußfilter nachgerüstet
und als
Beleg für die gesäuberten Abgase mit einer
Umweltplakette
versehen sind. Neue Dieselmodelle haben die Filter inzwischen
serienmäßig an Bord. Was der technologische Aufwand
jedoch
für die Anwohner bringt, kann niemand sagen. Denn ob die
geforderten Abgaswerte eingehalten werden, wird nicht kontrolliert.
Der Gesetzgeber schreibt derzeit für die
routinemäßige
Abgasuntersuchung (AU) bei Dieselfahrzeugen nur eine
Funktionsprüfung und eine Kontrolle der sogenannten
Rauchgastrübung vor, sagt Bert Korporal vom TÜV Nord
in
Hannover. Der Prüfer schaut dabei, ob die Abgasanlage
technisch in
Ordnung ist. Bei Autos mit On-Board-Diagnose (OBD) wird
außerdem
kontrolliert, ob die Elektronik einen Fehler anzeigt. Die Messung der
Rauchgastrübung der Abgase erfolgt laut Korporal mit dem
sogenannten Opazimeter: Dabei wird beim Hochdrehen
des Motors der Abgasstrom durch ein Meßgerät
geblasen. Darin
wird ein Lichtstrahl durch eine mit dem Abgas gefüllte
Röhre
geschickt und der Licht-Anteil gemessen, der von den Abgasen
«geschluckt» wird. Die Absorption darf dabei
festgelegte
Grenzwerte nicht überschreiten.
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| Foto: Harry_Melchert |
Eine detailliertere Analyse des Abgasverhaltens ist mit diesem
Verfahren, das in den 80e Jahren
eingeführt wurde, um die
größten Dieselstinker von der Straße zu
bekommen,
nicht möglich. Es kann Korporal zufolge nicht die Menge der
ausgestoßenen Rußpartikel ermitteln. Die ist jedoch
unter
anderem dafür entscheidend, ob der Wagen eine Umweltplakette
bekommt - und wenn ja, welche.
Die Sachverständigen hätten somit innerhalb der AU
keine Möglichkeit, zu prüfen, ob ein Dieselfahrzeug
die
rote, gelbe oder grüne Umweltplakette zu Recht trägt,
räumt
Korporal ein.
Auch sagt das Messergebnis nichts darüber aus, ob ein
nachgerüsteter Rußfilter einwandfrei funktioniert
und der
Wagen noch in der Umweltzone fahren darf. «Bei der AU
würden
wir das nicht feststellen.»
Den Prüforganisationen kann man das nicht zum Vorwurf machen.
Sie
müssen sich an die vom Gesetzgeber festgelegten Verfahren
halten.
«Die Messverfahren entsprechen nicht dem Stand der heutigen
Technik», erläutert Hans-Jürgen
Mäurer, Leiter der
Entwicklung für Prüftechnik bei der
Sachverständigenorganisation Dekra in Stuttgart. Die
AU-Messtechnik hinke gewissermaßen der Motorenentwicklung
hinterher.
Ein Problem sei, dass die vorgegebenen Grenzwerte der
Rauchgastrübung für moderne Dieselmotoren viel zu
hoch sind.
Hinzu kommt laut Mäurer, dass dieses Messverfahren bei
modernen
Motoren eine Verschlechterung des Abgasverhaltens im Hinblick auf den
Partikelausstoß nicht feststellen kann. Hierfür
müssten
die ausgestoßenen Teilchen gemessen werden, was messtechnisch
heute ohne weiteres möglich sei. Entsprechende Systeme, die
mit
Laser arbeiten und die Teilchenmenge per Streulichtverfahren ermitteln,
hätten sich im Praxistest bereits bewährt. Bei einem
funktionierenden Partikelfilter sind Mäurer zufolge noch etwa
0,22
Milligramm Partikel pro Kubikmeter Abgas messbar. Bei einem Fahrzeug
ohne Filter oder mit defektem Filtersystem würden noch 200 bis
300
Milligramm gemessen.
Solche Kontrollmessungen wären Hans-Jürgen
Mäurer zufolge auch
innerhalb einer modernisierten AU möglich. Dafür
müsste der
Gesetzgeber aber zunächst genaue Prüfwerte
definieren. Es
gebe jedoch nicht überall dazu die Bereitschaft, am
bestehenden
Prüfverfahren etwas zu ändern. Aus Verbrauchersicht
sei die
gegenwärtige Situation jedoch nicht hinnehmbar, sagt Gerd
Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin:
«Heute
bezahlt der Kunde für etwas, das nicht funktioniert. Es
müsste dringend ein neues Verfahren kommen.»
Zwar dürfe eine aussagekräftigere Abgasuntersuchung
für Kunden
nicht teurer werden. Es müsse aber zumindest
gewährleistet
sein, dass wichtige technische Systeme im Auto auch funktionieren.
«Wenn man einen Umwelttest macht, muss der Test auch das
messen,
was er messen soll», sagt Lottsiepen. Immerhin hat er die
Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich der Gesetzgeber in Zukunft
doch noch zu einem besseren Messverfahren durchringt. So gebe es
zumindest erste Überlegungen, die Rahmenbedingungen der AU
entsprechend anzupassen.
INFO-KASTEN: Prüfintervalle der Abgasuntersuchung
Für die Abgasuntersuchung (AU) bei Pkw gelten im Grunde die
gleichen Fristen wie für die Hauptuntersuchung (HU).
Für
Neuwagen wird nach Angaben des ADAC in München der erste
Prüftermin nach 36 Monaten fällig. Alle folgenden
Untersuchungen stehen danach im 24-monatigen Rhythmus an. Von der AU
befreit bleiben grundsätzlich Benziner mit Erstzulassung vor
dem
1. Juli 1969 und Diesel mit Erstzulassung vor dem 1. Januar 1977. Auch
Fahrzeuge mit rotem Kennzeichen oder Kurzzeitkennzeichen sowie land-
oder forstwirtschaftliche Zugmaschinen, selbst fahrende
Arbeitsmaschinen und Stapler sind von der Untersuchung ausgenommen.
Auto/Hersteller/KORR/
Liebhaber-Autos/SERIE
Wenn
Franzosen Porsche spielen - Die Renault Alpine A310
Von Heiko Haupt, dpa
Dieppe (dpa/tmn) - Wenn die Zeiten schlecht sind, blicken die
Leute gern zurück - denn früher war ja bekanntlich
alles besser.
Gerade die von Krisen gebeutelten Autohersteller sind seit einiger
Zeit wahre Meister darin, alte Erfolge in Form verblichener Marken
wiederzuentdecken. Da gräbt Fiat die fast vergessene
Tuning-Marke Abarth aus und kündigt Aston Martin an, das
Lagonda-Logo wieder aufleben zu lassen. Auch Renault spricht davon,
einen längst verblichenen Namen aus der Kiste zu kramen, um
der eher farblosen Modellpalette ein wenig sportlichen Pepp zu geben:
Alpine. Immerhin ist das eine Marke, die internationale Sporterfolge
feierte und mit Modellen wie der A310 Fahrzeuge erschaffen hat, die
auch heute noch begeistern.
Alpine? Nein, das hat in diesem Fall nichts mit einer recht
bekannten Marke für Hifi-Geräte rund um das Auto zu
tun. Vielmehr verbirgt sich dahinter die Geschichte eines Mannes mit
dem Namen Jean Rédélé. Der konnte
nicht nur auf eine auffällige Häufung des Buchstabens
«e» in seinem Namen verweisen - er gilt auch als
Vater einer der wenigen Sportwagenschmieden in Frankreich.
Die Anfänge der Marke liegen in den 50er Jahren. Besonders die
rundliche A110 fuhr in den 60er Jahren zu beeindruckenden Erfolgen bei
den großen Rallyes dieser Welt. Das Prinzip der A110: Man
nahm simple Großserientechnik aus dem Hause Renault,
verfeinerte sie und hüllte sie in eine leichte
Kunststoffkarosserie. Ein Konzept, das sich bewährte und auch
beibehalten wurde, als es darum ging, einen Nachfolger für die
seit dem Jahr 1961 gebaute A110 zu entwerfen.
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| Foto:
Renault
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Diese Planungen begannen vor nunmehr 40 Jahren: 1968 soll es erste
Gedanken und Entwürfe gegeben haben, wie ein Nachfolger
aussehen könnte. Recht schnell dürfte festgestanden
haben, dass man mehr wollte, als in der Vergangenheit. War die A110 ein
im Innenraum sehr beengtes Sportgerät, sollte der Nachfolger
anders auftreten. Ein sogenannter 2+2-Sitzer sollte es werden, der
neben den beiden vorderen Sitzen noch zwei Notsitze bot. Als Antrieb
sollten nicht mehr nur Aggregate auf Basis kleiner Renault-Vierzylinder
zum Einsatz kommen, sondern auch ein edlerer Sechszylinder mit
ordentlich Hubraum und ansehnlichen Leistungsdaten. So ein Aggregat war
damals bei Renault bereits in Planung.
Bis das Nachfolgemodell tatsächlich erschien, vergingen
allerdings
noch einige Jahre - und in dieser Zeit hatten sich ein paar Dinge
geändert. Zunächst einmal hatte man neuen Platz
geschaffen in Form eines neuen Werks, in dem das Auto gebaut werden
sollte. Das stand in dem Ort Dieppe und nahm tatsächlich im
Jahr 1971 die Arbeit auf: Produziert wurde hier das mittlerweile fertig
konstruierte Modell, das nun die Bezeichnung A310 trug.
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| Foto: Renault
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Wer dieses neue Auto erblickte, staunte:
Schon das Design war Meilen entfernt von der leicht veraltet wirkenden
Rundlichkeit der A110. Die spitz zulaufende Frontpartie wurde von einem
durchgängigen Scheinwerferband geprägt. Das Heck
dagegen wirkte vergleichsweise pummelig, was auch daran lag, dass die
neue Alpine wie schon die Vorgängermodelle weiter auf das
Prinzip des Heckmotors setzte - und der musste schließlich
irgendwo untergebracht werden. Trotzdem fügten sich die beiden
unterschiedlichen Enden zu einem stimmigen Design, das auch knapp 40
Jahre später noch nicht veraltet wirkt.
So sehr sich A110 und A310 äußerlich unterschieden,
so ähnlich
waren sie bei der Technik. Denn der Zentralrohrrahmen als Basis des
Autos war samt Aufhängungen vom Vorgänger
übernommen worden, auch der Radstand blieb. Obwohl das Auto
aus Dieppe spektakulär wirkte, hatte es zunächst aber
ein echtes Problem: Der ursprünglich angedachte Sechszylinder
stand noch nicht zur Verfügung, und so mussten Käufer
sich zunächst wieder mit der guten alten Vierzylinder-Ware aus
dem Hause Renault begnügen. Es gab 1,6 Liter Hubraum aus einem
normalerweise im Brot-und-Butter-Modell Renault 16 montierten Motor,
dazu die ebenfalls nicht berauschende Leistung von 115 PS.
Dass die Alpine A310 mit ihren nur 900 Kilogramm ein echtes
Leichtgewicht war, sorgte zwar auch mit dem kleinen Motor für
halbwegs sportliche Fahrwerte. Ein zusätzliches Problem lag
jedoch darin, dass man bei Alpine eine etwas eigenwillige Preispolitik
pflegte: Mit einem Einstiegspreis von seinerzeit knapp 32 000 Mark
bewegte man sich in Sphären, die kaum zur Leistung passten -
einen echten Porsche gab es für ein paar Tausender weniger.
Kein Wunder also, dass sich die Zahl der Interessenten in
überschaubaren Grenzen hielt. Das änderte sich auch
kaum, als man 1973 die Leistung um zehn Pferdestärken
erhöhte - und auch nicht, als man es mit einem 95 PS schwachen
Basismodell in der anderen Richtung probierte.
Der Umschwung in der Geschichte der A310 ließ noch bis 1976
auf
sich warten: Dann endlich konnte Alpine auf den ersehnten
Sechszylinder-Motor zurückgreifen. Der war allerdings keine
reine
Renault-Entwicklung, sondern gemeinsam mit Peugeot und Volvo
entstanden. Berühmt - man könnte auch sagen
berüchtigt - wurde er in den folgenden Jahren als
Euro-Sechszylinder in den Topmodellen der jeweiligen Firmen, wo er mit
nicht gerade seidigem Lauf, rauen Trinksitten und phlegmatischer
Leistungsabgabe auffiel.
In der A310 allerdings hatte er im Grunde sein wirkliches Zuhause
gefunden. Hier passte sein raues Wesen zum sportlichen
Grundcharakter, und die zur Verfügung stehenden 150 PS hatten
mit dem geringen Gewicht des Autos ein leichtes Spiel. In weniger als
acht Sekunden katapultierte er die Alpine aus dem Stand auf Tempo 100,
und erst bei 220 Stundenkilometern ging ihm die Puste aus - beachtliche
Werte in einer Zeit, in der eine Mittelklasse-Limousine als ordentlich
motorisiert galt, wenn sie nach einigem Anlauf Tempo 160 erreichte.
Die Kundschaft zeigte sich beeindruckt. Die bemerkenswerte
Zurückhaltung im Zusammenhang mit den Vierzylinder-Versionen
wich nun einer ordentlichen Kauflust. Was vielleicht auch daran lag,
dass es nicht nur technisch Neues gab. Optisch unterschied sich die
Sechszylinder-Version vor allem an der Front ebenfalls von den nun
eingestellten Vierzylinder-Ausführungen. Statt des
Leuchtenbandes mit sechs Scheinwerfern gab es nun zwei
Doppelscheinwerfer, wodurch die Front noch aggressiver wirkte.
In den Folgejahren wurde immer weiter im Detail an der A310
gefeilt, vor allem aber gab es auch Tuning-Maßnahmen, die das
Auto mal stärker machten, mal durch den einen oder anderen
Kunststoff-Auswuchs veränderten. Als die Produktion 1984
endete, konnte man nach den spärlichen etwa 2300 Vierzylindern
auch auf fast 9300 A310 mit Sechszylinder-Motor zurückblicken
- von denen viele heute noch von Liebhabern gehegt und gepflegt werden.
Und dass das wenig aufregende Modellprogramm von Renault mal wieder
eine Aufpeppung mit einem Auto wie der A310 durchaus brauchen
könnte, sagen nicht nur Anhänger dieses Porsche aus
Frankreich.
INFO-KASTEN: Alpine
Alpine wurde 1955 gegründet. Im Jahr 1973 übernahm
Renault die
Aktienmehrheit an Alpine und erhielt von Firmengründer Jean
Rédélé 1978 auch die restlichen
Anteile. Nach dem A310 erschien 1984 noch der Renault Alpine GTA, der
unter der Bezeichnung V6 GT beziehungsweise V6 Turbo angeboten wurde.
Später folgte der
überarbeitete A610. Nach dessen Produktionsende 1995
verschwand der Name Alpine als Modellbezeichnung. Jean
Rédélé, geboren 1922, starb im Jahr
2007.
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